Communities and the(ir) Law

Internationale Online-Konferenz des Käte Hamburger Kollegs „Recht als Kultur“

1./2. Juli 2021 (via Zoom)

Der Ruf nach Gemeinschaft erhält leicht einen falschen Zungenschlag: entweder führt er in ein imaginäres Reich harmonischer Vergangenheit oder in eine Beschwörung von Gemeinsamkeiten, die tatsächliche Konflikte überdeckt. Gleichzeitig ist dieser Traum in vielen Gesellschaften lebendig: sei es in der Form eines „Gemeinsamkeitsglaubens“, in der Dekonstruktion von „imagined community“ oder in der Suche nach Quellen des gesellschaftlichen Zusammenhalts. Aber ist „Gemeinschaft“ nur eine ideologische Zauberformel, in deren Sog dann auch das Rechtsverständnis gerät, oder weist der Begriff auch noch in modernen Gesellschaften auf ein zentrales soziales und soziologisches Problem hin? Die internationale Konferenz „Communities and the(ir) Law“ widmet sich vor diesem Hintergrund den vielschichtigen Zusammenhängen von „Gemeinschaft“ und „Recht“ und fragt nach ihrer möglichen Aktualität für brennende Fragen unserer Gegenwartsgesellschaften.

Die Veranstaltung beginnt mit einem Rückblick in die Theoriegeschichte des Gemeinschaftskonzepts und seiner Verbindungen zum Recht, um in einem zweiten Schritt systematische Zusammenhänge zwischen Gemeinschaftsbildung und Normativität zu analysieren. In einem idealtypisch angelegten Vergleich werden sodann sozietale Gemeinschaften und ihr Recht in den Blick genommen: von der islamisch geprägten Welt über exemplarische Analysen etwa zu China und Nigeria bis zum Pluralismus von Gemeinschaftsformen und normativen Ordnungen der indischen Gesellschaft. Zuletzt werden neue Gemeinschaftsformen angesprochen, die mit den Transformations- und auch Krisenerfahrungen der Gegenwart verknüpft sind: Welche Rolle spielt etwa das Recht für die Konstruktion von Gender- und Identitätskategorien? Was bedeutet es, wenn wir aus dem anthropozentrischen Weltbild heraustreten und Dinge als Träger von Rechten behandeln, vielleicht versuchen, eine „Gemeinschaft der Dinge zu denken“, die auch unser Verständnis des Rechts affiziert? Können wir dem Klimawandel überhaupt begegnen, wenn wir nicht bereit sind, die Vorstellung von „Gemeinschaft“ und „Gemeinsamkeit“ auch auf die Natur zu erweitern? Und welche neuen Formen von Gemeinschaftsbildung gehen mit dem fortlaufenden Prozess der Digitalisierung und der möglichen Entstehung einer digitalen Rechtskultur einher, wie auch mit den Erfahrungen der COVID-19-Pandemie, die wir als Teil einer globalen pandemischen Gemeinschaft sammeln mussten?

Im Rahmen der international besetzten Tagung „Communities and the(ir) Law“ wird diesen und weiteren Fragen zum Zusammenhang von Gemeinschaft und Recht nachgegangen. Die Tagung findet online (via Zoom) statt. Für die Teilnahme an der Veranstaltung ist eine Registrierung bis zum 27. Juni 2021 erforderlich unter: kspranz@uni-bonn.de

Werner Gephart und Daniel Witte

Tagungsprogramm zum Download:
Den Einladungsflyer mit vollständigem Programm finden Sie hier, das Plakat zur Tagung hier.