Prof. Dr. Peter Schneck

Universität Osnabrück

Kontakt

Käte Hamburger Kolleg „Recht als Kultur“
Internationales Kolleg für Geisteswissenschaftliche Forschung
Center for Advanced Study in the Humanities “Law as Culture”
Konrad-Zuse-Platz 1-3
53227 Bonn

Telefon: (+49) 228 / 73 540 13
Telefax: (+49) 228 / 73 540 54
E-Mail: peter.schneck@uos.de

Curriculum Vitae

Professor Dr. Peter Schneck studierte Nordamerikanistik und Kommunikationswissenschaften am John F. Kennedy-Institut der Freien Universität Berlin, wo er 1996 mit einer Arbeit über den Realismus in der amerikanischen Literatur und Malerei promoviert wurde. Von 1997 bis 2004 war Peter Schneck als Hochschulassistent am Lehrstuhl für amerikanische Literaturgeschichte des Amerika-Instituts der Ludwig-Maximilian-Universität München tätig. Nach erfolgreichem Abschluss seiner Habilitation zur Darstellung und Verhandlung von Recht und Rechtsprozessen in der amerikanischen Literatur und Kultur, arbeitete er zunächst als Associate Professor an der LMU München, bevor er 2007 den Lehrstuhl für amerikanische Literatur- und Kulturwissenschaften der Universität Osnabrück übernahm. Verschiedene Forschungsstipendien, Fellowships und Lehraufträge führten Peter Schneck ins Ausland, unter anderem an die University of California at Irvine, die Venice International University, die University of Nottingham, die University of Turin sowie an das Smithsonian Institut in Washington D.C. Seine Forschungsschwerpunkte sind die U.S.-amerikanische Literatur- und Kulturgeschichte mit einem Schwerpunkt auf dem 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart, Recht und Literatur, vor allem zur Rhetorik und Repräsentation von Eigentum und Besitz in der US-amerikanischen Kultur, sowie allgemein Fragen zum Verhältnis von Kognition, Poetik und Ästhetik in der Literatur.

Seit Oktober 2018 ist Professor Dr. Peter Schneck Fellow am Käte Hamburger Kolleg „Recht als Kultur“.

Forschungsprojekt

"Francis Lieber und die Hermeneutik des Eigentums"

Das Forschungsprojekt ist zentraler Bestandteil einer umfassenden Neueinschätzung und an aktuellen Fragen und Problemlagen orientierten zeitgenössischen Aufarbeitung und Interpretation der politischen, rechtlichen und kulturellen Schriften von Francis (Franz) Lieber (1789/1800-1872). Lieber war einer der wichtigsten deutsch-amerikanischen Gelehrten und Intellektuellen des 19. Jahrhunderts, der sowohl in seinen Schriften zur Rechtsauslegung (Legal and Political Hermeneutics, 1838), zur politischen Ethik (A Manual of Political Ethics 1838-39) oder auch zu Fragen des Gefängniswesens, des Eigentums (Essays on Property and Labor 1841), des Gerichtsprozesses (The Unaminity of Juries 1867) und des Verhältnisses zwischen Staatsgewalt und bürgerlicher Freiheit (On Civil Liberty and Self-Government 1853) entscheidende Prinzipien und normative Orientierungen formulierte, die inzwischen zu den Selbstverständlichkeiten des politischen, rechtlichen und kulturellen Gemeinwesens westlicher Demokratien gezählt werden können.

Doch obwohl Liebers nachweislicher Einfluss auf das rechtliche Denken der Zeit (hier ist vor allem der Lieber Code zu nennen, der großen Einfluss auf die Haager Landkriegsordnung hatte) bis heute unbestritten ist, gibt es bislang keine nennenswerten Analysen und Interpretationen seines Gesamtwerkes. Die bis heute maßgeblichen Biografien Liebers wurden Ende des 19. Jahrhunderts bzw. in den 1940er Jahren veröffentlicht, seitdem gibt es zwar immer wieder einzelne Publikationen, vor allem in den USA, allerdings nur zu ganz bestimmten Teilen seines Gesamtwerkes. Diese Forschungslage ist vor allem angesichts der Tatsache zu kritisieren, dass Lieber besonders in Fragen des Eigentums ein äußerst integrativer Denker war, der seiner Zeit weit voraus war. Hier soll das Forschungsprojekt eine historische, aber auch eine konzeptuelle und theoretische Lücke füllen, und zwar hinsichtlich der Frage, wie Eigentumsfragen zwischen kulturellen, politischen und ökonomischen Dynamiken verhandelt wurden und werden. Die Untersuchung und Interpretation der unterschiedlichen Schriften Liebers, ihrer Resonanz in den USA und auch in Deutschland lassen ein Denksystem erkennen, dass Eigentum sowohl in ökonomischen wie auch in sozialen und kulturellen Zusammenhängen wahrnimmt und im Hinblick auf diese Komplexität konturiert und verteidigt. Ziel des Gesamtprojekts ist eine kultur- und rechtsgeschichtlich kontextualisierte aktuelle Biografie Liebers zu erstellen, die einen Beitrag zur aktuellen transatlantischen Auseinandersetzung um geistiges Eigentum und deren komplexer Geschichte leisten soll.

Der Schwerpunkt der Projektarbeit während des geplanten Fellowships am Käte Hamburger Kolleg liegt auf der Ausarbeitung einer kontextuellen Analyse des zentralen Beitrags Liebers zur U.S.-amerikanischen Copyright Debatte, Letter on International Copyright (1840). Hier stehen einerseits die Einbettung in den Gesamtkontext der amerikanischen Diskussion im Vordergrund, aber auch die spezifische Vermittlungsposition Liebers, dessen Denken maßgeblich von europäischen bzw. deutschen Diskussion zur Texthermeneutik (in Recht, Literatur und Theologie) beeinflusst bleibt, zugleich aber auch von der Verfassungsdiskussion in den USA und einer eher naturrechtlichen Bewertung von Autorschaft und Urheberrechten.

Publikationen (Auswahl)

Monographien

  • Rhetoric and Evidence. Legal Conflict and Literary Representation in American Culture. Berlin, New York: De Gruyter, 2012.
  • Bilder der Erfahrung. Kulturelle Wahrnehmung im amerikanischen Realismus. Frankfurt: Campus, 1998.

Herausgeberschaften:

  • The U.S. and the Questions of Rights. Heidelberg: Winter, 2017 (in print, with Irina Brittner and Sabine Meyer)
  • Audiences, Networks, Performances. Studies in U.S.-American Media History. PhiN.Supplements, Berlin u.a. 2012. (mit Antje Kley)
  • Terrorism, Media, and the Ethics of Fiction. Transatlantic Perspectives on Don DeLillo. New York: Continuum, 2010. (mit Philipp Schweighauser)
  • Iconographies of Power. Heidelberg: C. Winter, 2003. (mit Ulla Haselstein u. Berndt Ostendorf)
  • Popular Culture. Heidelberg: C. Winter, 2001 (Special Issue of) Amerikastudien/American Studies. 46(3). (mit Ulla Haselstein u. Berndt Ostendorf)
  • Making America. The Cultural Work of Literature. Heidelberg: C. Winter, 2001. (mit Susanne Rohr u. Sabine Sielke)
  • Hyperkultur. Zur Fiktion im Computerzeitalter. Berlin: deGruyter, 1996. (mit Martin Klepper u. Ruth Mayer)

Aufsätze

  • “Savage Properties and Violent Forms: Christopher Brooke’s Poem on the late Massacre in Virginia (1622) and the Discourse on Civility and Possession in Early Modern America” Amerikastudien/American Studies 62.2 (2017): 169-190.
  • "James Fenimore Cooper, The Pioneers, or, the Sources of the Susquehanna, A Descriptive Tale (1823)." Christine Gerhardt. Ed. Handbook of the American Novel of the Nineteenth Century. Berlin: De Gruyter, 2018. 174-196.
  • “Critical Subjects of Belonging: Diaspora, Indigenism and Human Rights” Klaus Stierstorfer. Ed. Diaspora, Law and Literature. Berlin: De Gruyter, 2016. 89-111.
  • “'Forbidden and Useless Knowledge': Ambivalenz und Faszination der Lazarus-Figur in der U.S.-amerikanischen Kultur und Literatur” Ursula Hennigfeld. Ed. Lazarus: Kulturgeschichte einer Metapher. Heidelberg: Winter, 2016. 155-170.
  • "Who Owns Uncle Tom's Cabin? Literature as Cultural Property." Helle Porsdam. Ed. Copyrighting Creativity: Creative Values, Cultural Heritage Institutions and Systems of Intellectual Property. London: Ashgate, 2015. 129-150
  • "Cognitive Style and Perceptual Skill in the Realism of Thomas Eakins: Pragmatism, Cognitive Science and Art." Amerikastudien/American Studies. 58:2 (2014).